Seit 1. Jänner 2024 gibt es in Österreich eine neue Gesellschaftsform: die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo). Wir werden oft gefragt, ob sie die GmbH überholt hat. Die ehrliche Antwort: für manche Fälle ja, für viele nein.
Was neu ist bei der FlexCo
1. Niedrigeres Stammkapital
- GmbH: 35.000 € (davon 17.500 € eingezahlt)
- FlexCo: 10.000 € (davon 5.000 € eingezahlt)
2. Geringere Notariats-Anforderungen
Abtretung von Geschäftsanteilen braucht bei der FlexCo keinen Notariatsakt mehr — ein Privaturkundenformular reicht. Bei der GmbH hingegen ist jeder Share-Transfer notarpflichtig.
Das ist der größte Vorteil. Wer häufig Share-Transaktionen macht (Vesting, ESOP, Wandeldarlehen), spart hier ein Vermögen an Notarkosten über die Zeit.
3. Mitarbeiterbeteiligungen nativ
Die FlexCo hat ein „Unternehmenswertanteile"-System explizit für Mitarbeiter-Beteiligungen. Kein klassisches ESOP-Konstrukt mehr nötig — die Struktur ist in die Rechtsform eingebaut.
Wann FlexCo besser ist
- Du willst häufig Anteile transferieren (VCs einsteigen lassen, ESOP ausrollen, Gründer-Vesting)
- Geringes Startkapital nötig (10.000 € statt 35.000 €)
- Mitarbeiterbeteiligung ist zentraler Teil deines Plans
- Geplantes Fundraising mit mehreren Runden
Wann die klassische GmbH noch die bessere Wahl ist
- Kleines Team ohne Fundraising-Plan — dann ist die Simplizität der GmbH ein Vorteil, FlexCo-Rechtsregime ist neuer und weniger Anwältinnen sind damit vertraut
- B2B-Kunden in Deutschland — GmbH ist im DACH-Markt bekannter, wirkt seriöser bei konservativen Kunden
- Familienunternehmen ohne Share-Transfer-Bedarf
- Du brauchst schnell eine Gewerbeberechtigung — alle GmbH-Prozesse bei Bezirkshauptmannschaften sind eingeschliffen, FlexCo läuft teilweise noch holprig durch Behörden
Die Umwandlung später
Eine GmbH kann man später in eine FlexCo umwandeln — und umgekehrt. Es ist kein for-life Commitment. Aber die Umwandlung kostet (~1.500–3.000 € Anwalts- und Notarkosten + 6 Wochen Aufwand).
Unser Rat
Wenn du technologie-getriebenes Startup bist mit VC-Plan → FlexCo.
Wenn du Bootstrapping machst oder klassisches KMU → GmbH.
Wenn du unsicher bist: sprich mit einem Notar der beide Formen kennt (kurze Liste bekommst du im Notars-Verzeichnis).
Der Co-Pilot kann helfen
Der Co-Pilot kann dir einen Rechtsform-Recommender bauen, der deine Onboarding-Antworten durchgeht und dir 1–3 Rechtsformen in Ranking-Reihenfolge vorschlägt + die Vor-/Nachteile konkret für dein Setup.
Kein Rechtsrat. Die endgültige Wahl der Rechtsform ist eine individuelle Entscheidung mit steuerlichen + haftungsrechtlichen Konsequenzen. Nimm immer einen Anwalt + Steuerberater dazu.